Eine IP-Kamera funktioniert tagsüber, startet nachts jedoch immer wieder neu. Oder nach der Installation mehrerer Access Points verlieren einzelne Geräte die Verbindung. Eine mögliche Ursache ist ein zu geringes PoE-Leistungsbudget.
Bei der Wahl eines PoE-Switches zählt nicht nur die Anzahl der Ports. Ebenso wichtig sind der PoE-Standard, der Leistungsbedarf der angeschlossenen Geräte, das verfügbare Gesamtbudget und die Netzwerkbandbreite.
UniFi-PoE-Switch mit angeschlossenen Ethernet-Kabeln
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Anzahl der PoE-Ports und das gesamte PoE-Leistungsbudget sind unterschiedliche Angaben.
- PoE, PoE+ und PoE++ unterstützen unterschiedliche Leistungsstufen.
- Berechnen Sie das Leistungsbudget anhand der maximalen Leistungsaufnahme der Geräte, nicht nur anhand des typischen Verbrauchs.
- Leistungsreserven und eine sinnvolle Lastverteilung helfen, Ausfälle zu vermeiden und die Erweiterung zu erleichtern.
Inhaltsverzeichnis
Wie funktioniert Power over Ethernet?
Power over Ethernet (PoE) überträgt Daten und elektrische Energie über dasselbe Ethernet-Kabel.
Ein an der Decke montierter Access Point oder eine IP-Kamera benötigt dadurch nicht unbedingt eine Steckdose in der Nähe. Unterstützt das Gerät einen kompatiblen PoE-Standard, kann es direkt vom Switch mit Strom versorgt werden.
Dafür gibt es zwei gängige Möglichkeiten:
- PoE-Switch – liefert Daten und Strom über die dafür vorgesehenen Ethernet-Ports.
- PoE-Injektor – speist Strom für ein einzelnes Gerät in die Ethernet-Verbindung ein.
Für eine einzelne Kamera kann ein kompatibler
PoE injektor ausreichen. Bei mehreren Geräten lässt sich ein
PoE switch in der Regel einfacher installieren und verwalten.
Was ist der Unterschied zwischen PoE, PoE+ und PoE++?
Der wichtigste Unterschied ist die Leistung, die einem angeschlossenen Gerät zur Verfügung steht.
| Standard | Leistung am Quellport | Typische Anwendung |
| PoE (802.3af) | Bis zu 15.4 W | IP-Telefone, einfache Kameras, sparsame Access Points |
| PoE+ (802.3at) | Bis zu 30 W | Leistungsfähigere Access Points und Kameras mit Zusatzfunktionen |
| PoE++ (802.3bt) | Bis zu 60 bzw. 90 W je nach Typ | Leistungsstarke Access Points, bestimmte PTZ-Kameras und andere Geräte mit hohem Bedarf |
Die Werte beziehen sich auf den Ausgang des stromliefernden Ports. Durch Kabelverluste kann am Endgerät weniger Leistung ankommen.
Wichtig: Passive PoE ist nicht dasselbe wie standardisiertes IEEE PoE. Prüfen Sie bei passiver Stromversorgung Spannung, Pinbelegung und Gerätekompatibilität separat.
UniFi Switch Lite 8 PoE mit vier PoE+-Ports
Wie berechnen Sie das PoE-Leistungsbudget?
Angenommen, in einem kleinen Büro müssen folgende Geräte versorgt werden:
- 3 Access Points mit jeweils 15 W maximaler Leistungsaufnahme
- 3 IP-Kameras mit jeweils 12 W maximaler Leistungsaufnahme
3 × 15 W + 3 × 12 W = 81 W
Mit 25 % Leistungsreserve sind insgesamt rund 102 W. PoE-Budget erforderlich
Dies ist eine Beispielrechnung, nicht der tatsächliche Verbrauch eines bestimmten Produkts. Verwenden Sie bei einer realen Installation die maximale Leistungsaufnahme aus der Dokumentation der jeweiligen Geräte.
Warum ist eine Reserve sinnvoll? Manche Kameras benötigen mehr Strom, sobald die IR-Beleuchtung, eine Heizung oder motorisierte Funktionen aktiviert werden. Eine tagsüber stabile Kamera kann daher nachts Probleme mit der Stromversorgung bekommen.
Prüfen Sie immer zwei getrennte Grenzen: die maximale Leistung pro PoE-Port und das gesamte PoE-Leistungsbudget des Switches.
UniFi Flex 2.5G 8 PoE – PoE-Budget je nach Stromversorgung
Welchen PoE-Switch sollten Sie wählen?
Entscheidend sind die Anzahl der versorgten Geräte, deren maximale Leistungsaufnahme und die benötigte Uplink-Geschwindigkeit. Diese drei Modelle aus dem Getic-Sortiment eignen sich für unterschiedliche Installationsgrößen.
UniFi Switch Lite 8 PoE: kleine Installationen
Ubiquiti USW-Lite-8-PoEverfügt über acht 1-GbE-Ports, von denen vier PoE+ unterstützen. Das gesamte PoE-Budget beträgt 52 W. Der Switch eignet sich für kleine Installationen, sofern die maximale Gesamtlast der Geräte innerhalb dieser Grenze bleibt.
UniFi Switch Flex 2.5G 8 PoE: schnellere Ports und PoE++
Ubiquiti USW-Flex-2.5G-8-PoE bietet acht 2,5-GbE-Ports mit PoE++ und 10-GbE-Uplinks. Mit einem kompatiblen externen 210-W-Netzteil stehen bis zu 196 W PoE-Budget zur Verfügung. Bei Stromversorgung über PoE sinkt dieser Wert je nach Eingangsstandard auf 16 bis 76 W.
MikroTik CRS328-24P-4S+RM: größere Netzwerke
MikroTik CRS328-24P-4S+RM bietet 24 Gigabit-PoE-Ports und vier 10G-SFP+-Uplinks. Das Gesamtbudget von 450 W verteilt sich auf drei Gruppen mit je acht Ports und einem Limit von 150 W pro Gruppe. Die Last muss entsprechend verteilt werden.
Kurzvergleich
| Merkmal | UniFi Lite 8 PoE | UniFi Flex 2.5G 8 PoE | MikroTik CRS328 |
| PoE ports | 4 | 8 | 24 |
| PoE standard | PoE+ | PoE++ | PoE+ |
| Gesamtes PoE-Budget | 52 W | Bis zu 196 W | 450 W |
| Ports / Uplinks | 1 GbE | 2.5 GbE / 10 GbE | 1 GbE / 10G SFP+ |
Flex 2.5G: 196 W nur mit externem 210-W-Netzteil. CRS328: maximal 150 W pro Gruppe mit acht Ports.
Was sollten Sie vor der Installation prüfen?
Leistungsaufnahme Addieren Sie die maximalen Wattangaben aus den Gerätespezifikationen, nicht nur die üblichen Verbrauchswerte.
Kompatibilität: Prüfen Sie den benötigten IEEE-PoE-Standard und die Leistungsgrenze pro Port. Passive PoE muss separat geprüft werden.
Verkabelung: Kontrollieren Sie Kabelqualität, Anschlüsse und Länge. Bei Kupfer-Ethernet sind 100 m die übliche Grenze für einen vollständigen Kanal.
Uplink-Kapazität: Berücksichtigen Sie die Summe der Kamerastreams und des Datenverkehrs der Access Points.
Erweiterbarkeit: Planen Sie freie Ports und Leistungsreserven für zusätzliche Geräte ein.
Welche Werte sollten Sie nach der Inbetriebnahme prüfen?
Prüfen Sie nicht nur, ob die Geräte mit Strom versorgt werden, sondern ob der Switch die tatsächliche Last zuverlässig tragen kann:
PoE-Verbrauch und verbleibendes Budget: Erkennen Sie Ports oder Gruppen, die sich ihrer Leistungsgrenze nähern.
Portfehler: Erkennen Sie mögliche Kabel- und Verbindungsprobleme.
Uplink-Auslastung: Prüfen Sie, ob der Uplink im normalen Betrieb überlastet ist.
Gerätelaufzeit: Erkennen Sie unerwartete Neustarts von Kameras oder Access Points.
Prüfen Sie IP-Kameras auch nachts, wenn IR-Beleuchtung oder andere Funktionen den Strombedarf erhöhen können.
Wann hilft PoE – und wann nicht?
Wann PoE hilft: Bei der Stromversorgung von Kameras und Access Points an Standorten, an denen separate Stromleitungen unpraktisch wären.
Wann PoE nicht hilft: Ein Switch mit höherer PoE-Leistung behebt weder schwache WLAN-Abdeckung noch beschädigte Ethernet-Kabel oder zu geringe Uplink-Bandbreite.
Fazit
Wählen Sie einen PoE-Switch nach der Kompatibilität der Standards, der Leistung pro Port, dem gesamten Leistungsbudget und der Anzahl der verfügbaren Ports. Prüfen Sie anschließend die Uplink-Geschwindigkeit und planen Sie Reserven für Erweiterungen ein. Entscheidend ist die tatsächliche Last – nicht allein die höchste Portanzahl.
Quellen und Referenzen